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Das Wunder im Christentum

In den Religionen geht es um Sünden, im Christentum um Sünde. Sünden begehen, ist falsches Tun. Sünde als Grundbefindlichkeit ist willentliche Unabhängigkeit von Gott. Das Wunder im Christentum ist die Erlösung des Menschen. Jesus Christus hat die Veranlagung zur Sünde auf sich genommen. Er legt sein eigenes Wesen in den Menschen hinein, der seinem Ruf folgt: „Kommet her zu mir“ (Matthäus 11.28). Was ich dabei zu tun habe, ist nur dies: mich mit dem Urteil Gottes einverstanden erklären, dass meine Schuld durch Jesu Tod bestraft worden ist. Wenn ich an die Grenzen meiner Möglichkeiten komme und meine Bedürftigkeit erkenne, dann sagt Jesus: „Selig sei Ihr ...“ (Matthäus 5.11). Weil ich ein eigenverantwortlicher Mensch bin, kann Gott das Wesen, das Jesus Christus hatte, nicht in mich hineinlegen, wenn ich nicht merke, dass ich es brauche.

Oswald Chambers

 
Gott gab uns sein Wort, aus dem wir seinen Willen erkennen sollen. Die Bibel will gelesen und bedacht sein, täglich neu.

Dietrich Bonhoeffer

Wie ich Christ wurde - vom Zweifeln zum Glauben

Von Prof. Ole Hallesby, gekürzt
R. Brockhaus Verlag, Wuppertal,gekürzter Auszug aus erstem Teil. Fr. 9.90

Niemals hat es in unserem Lande so viele Gläubige gegeben wie heute – niemals aber auch so viele Zweifler. Die christlichen Wahrheiten sind, wie alle religiösen und moralischen Wahrheiten, von der Art, dass man sie nicht mit denselben Mitteln beweisen kann wie einen Satz der Mathematik oder Physik. Erst durch das Leben in der moralischen und religiösen Welt erhält man die Voraussetzungen, welche die Gültigkeit der moralischen und religiösen Wahrheiten unter Beweis stellen. „Man“ sagt: „Es gibt so viele Religionen. Woher will man wissen, dass ausgerechnet das Christentum die einzig wahre ist?“ Antwortet nun jemand arglos und überzeugt: „Das steht ja in der Bibel“, so sagen die anderen sofort: „Jawohl, aber was hilft das? Im Koran, der Mohammedanerbibel, steht, dass der Islam die einzige wahre Religion ist.“ Alle höheren Religionen haben ihre heilige Schriften, von denen geglaubt wird, dass sie von Gott stammen und darum Gottes Wort seien. Mit welchem Recht gibt man da den heiligen Schriften des Christentums eine Sonderstellung?

Vom Zweifel zum Glauben

Es gibt zwei Arten von Zweiflern. Zunächst gibt es solche, die ihre Zweifel lieben, weil diese sie von den Anklagen ihres Gewissens decken. Die Zweifler, denen ich meine Hilfe anzubieten wage, sehen anders aus. Sie leiden unter ihren Zweifeln. Ich bin selbst durch alle Grade des Zweifels gegangen und kenne seine Pein. Aber ich kenne auch einen Weg vom Zweifel zum Glauben. Diesen Weg hat Jesus schon vor bald 2000 Jahren gewiesen. Er drückte es so aus: „So jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede“ (Joh. 7,17). Hier verspricht er persönliche Gewissheit auf Grund von Erfahrungen. Als Bedingung stellt er nur eins: so jemand will Gottes Willen tun. Mein erster Rat ist folgender: Lies das Neue Testament: Ja, sagst du, glaubte ich nur daran, so wäre mir geholfen. Jesus verlangte niemals von seinen Zuhörern, dass sie im voraus eine grosse oder kleine Anzahl Dogmen über ihn annehmen oder anerkenne sollten. Er bat sie vielmehr, dass sie zu ihm kommen sollten, seine Stimme hören und ihm folgen.

Und was dann? Ja, alle, die das redlich taten, erlebten Jesus und waren danach persönlich überzeugt von dem, was er über sich selbst sagte. Und als sie ausdrücken wollten, was sie erlebt hatten und wovon sie persönlich überzeugt waren, da schrieben sie die Schriften nieder, die wir im Neuen Testament haben. Lies nun diese seltsame Schriftsammlung durch, dann wirst du sehen, wie erstaunlich die verschiedenen Verfasser in ihren Jesusberichten überstimmen.

Seit jener Zeit sind Millionen Menschen Jesus begegnet und haben seine wunderbare Persönlichkeit erlebt. Und wenn sie in Worten ausdrücken sollten, was sie erfahren hatten und wovon sie überzeugt waren, fanden sie keine besseren Worte dafür, als im Neuen Testament gebraucht sind.
Späterhin hatten sie das Bedürfnis, in kurzen Sätzen das Wesentliche von dem auszusprechen, was sie bei ihrer Begegnung mit Christus erlebt hatten. Diese Sätze nennt man kirchliche Bekenntnisse. Von diesen nenne ich vor allem das apostolische Glaubensbekenntnis, weil es allen christlichen Kirchen der Welt gemeinsam ist.

Die Dogmen sind nicht von den Kirchen aufgestellt als etwas, was der einzelne annehmen muss. Hingegen sind sie der Ausdruck von den Dingen über Christus, die einem Menschen zur freudigen Gewissheit werden, wenn er ihn als seinen Erlöser erkennt. Jesus stellt allen Zeiten, heute wie vor 1900 Jahren, nur eine Bedingung, um uns zur persönlichen Gewissheit zu verhelfen, und diese eine Bedingung lautet: „Wenn jemand will Gottes Willen tun“. Nimm nun dein Neues Testament und lies es, um „Gottes Willen“ zu finden. Dabei will ich dir den Rat geben, dass du vorläufig ganz einfach all das beiseite lässt, was deinem Intellekt allzu grosse Schwierigkeiten bereitet. Lies nur das übrige.
Selbst wenn du die dir zweifelhaften Dinge überspringst, wirst du, praktisch gesprochen, auf jedem einzelnen Blatt im Neuen Testament etwas finden, was du ohne zweifeln, als „Gottes Willen“ bezeichnen musst, d.h. ewige Wahrheiten, die unabhängig sind von Zeit, Ort und Person.
Lass mich hier nur dieses eine Wort von Jesus nennen: „Alles nun, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun“ (Matth. 7,12).
Fängst du an, das zu tun, wirst du ganz neue Erfahrungen machen, die dir aus dem Zweifel heraus und in persönliche Gewissheit hinein helfen. Der Grund, warum die Menschen am Christentum zweifeln, ist ganz einfach der, dass sie's nur denken, anstatt es zu leben.
Ich will nun kurz die Erfahrungen andeuten, die du machen wirst. Beginnst du mit Ernst und Redlichkeit, anderen das zu tun, was du willst, dass sie dir tun, dann wirst du erstens erfahren, dass du das nicht tust.
Zweitens wirst du sehr bald erfahren, dass du es nicht kannst. Du vermagst es nicht.
Drittens wirst du den Grund erfahren, warum du es nicht vermagst: du willst es einfach nicht. Es ist zu anstrengend, zu unvorteilhaft und zu schmerzlich.
Und wenn du nun ehrlich bist, hast du viertens die Erfahrung gemacht, dass du böse bist. Du kennst die moralische Wahrheit dieses Wortes Jesu und du bist innerlich davon überzeugt, dass deine Handlungsweise moralisch verwerflich ist, aber du setztest trotzdem dein egoistisches Leben fort.
Und nun bist du reif, einige neue Erfahrungen zu machen. Fünftens wirst du erfahren, wie unwahr du in deinem Egoismus bist. Du wünschest, dass die Leute glauben sollen, du seiest nicht egoistisch.
Sechstens wirst du erfahren, dass du unwahr gegen dich selbst bist. Du fängst nämlich an, deine Handlungen vor dir selbst in einem besseren Lichte darzustellen, als die Wahrheit zulässt.
Wenn du meinem Rat gefolgt bist und das Neue Testament gelesen hast, ist Jesus in ein neues Licht für dich getreten. Nun bist du moralisch reif geworden, um das Einzigartige an Jesus zu sehen. Du siehst mit neuen Augen, dass Jesus sein ganzes Leben hindurch anderen das tat, was er wollte, dass sie ihm tun sollten.
Mein zweiter Rat lautet: Fange an, zu Gott beten! Und beginne damit dann, wenn du im Neuen Testament liest. Aber ich zweifle ja am Gebet, sagst du.
Du sollst ehrlich und vertrauensvoll mit Gott reden. Fange doch damit an, dass du ihm die Wahrheit sagst, du an ihm zweifelst und am Gebet. Und bitte ihn, dass er dir begegnen möge und mit dir reden, damit deine Zweifel verschwinden und du überzeugt wirst von ihm und auch davon, dass er deine Gebete hört.
Das erste, was ich ihm sagte, war: „Herr, willst Du nun mit mir reden! Rede mit mir, dass ich erkenne, dass Du es bist, der mit mir redet: Und sage mir, was Du mir zu sagen hast über mein Leben und über meine Sünde.
Willst du nicht mit deinen alten Sünden brechen, dann kannst du jede Hoffnung, von
Deinen Zweifeln befreit zu werden, aufgeben.
Es gibt keinen anderen Weg zur Erlösung als den ehrlichen Bruch mit der Sünde, den engen aber sicheren Weg der Umkehr. Bilde dir nicht ein, dass Gott einen besonderen Weg für Zweifler geschaffen hat.
In dem Augenblick, wo du dich an Christus wendest, um alle deine Sünden aufzugeben und um erlöst zu werden, wirst du Antwort von deinem unsichtbaren Erlöser bekommen. Und selbst wenn die Antwort zu Anfang anders ist, als du gedacht hast, so ist es die, die du brauchst, nämlich die Antwort, die dich gleichzeitig erschreckt und lockt.
Lass mich nun meinen Rat für den ehrlichen Zweifler wiederholen: Fange an, im Neuen Testament zu lesen und zu beten. Und rede nun ehrlich und vertraulich mit Gott über die Erfahrungen, die du jeden Tag machst, indem du versuchst, Gottes Willen zu tun. Wenn du im Neuen Testament von Christus liest, und mit ihm jeden Tag lebst im offenen Gespräch über dein eigenes äusseres und inneres Leben, wirst du wie alle anderen erfahren, dass in deinem Herzen ein eigentümliches Vertrauensverhältnis zu ihm entsteht.
Nun erwacht ernstlich der Schrei in deiner Seele, der allen gemeinsam ist, die ehrlich angefangen haben, mit Christus zu leben: „Wie kann ich einen gnädigen Gott bekommen?“
Besonders in unseren Tagen scheint es, als habe man vergessen, dass es keinen anderen Weg gibt, persönlich überzeugt zu werden, als diesen Weg des Sünders durch die vollständige Verzweiflung über sich selbst.
Christus selbst war sich klar darüber, dass an ihm etwas war, was Anstoss erwecken würde und musste. Darum sagte er auch bei einer Gelegenheit: „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert“ (Matth. 11,6).

Lass dich täglich von Gott erforschen. Bete oft des Psalmisten tiefes und fruchtbares Gebet: „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich es meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege“(Ps. 139, 23.24).
Weiter rate ich dir auch, zum Abendmahl zu gehen. Hier bin ich jedoch darauf gefasst, dass du Einwendungen machst. Du sagst: „Ich verstehe das Abendmahl nicht und es würde mich bestimmt in dem Augenblick, da ich es nehme, quälen. Ich habe auch bestimmt nicht die richtigen Gedanken über das Abendmahl. Vielleicht denke ich sogar ganz falsch darüber. Ist es richtig, zum Mahl zu gehen, solange es mir so geht? Muss ich nicht warten, bis diese Dinge mir klarer geworden sind?“
Nein, das brauchst du nicht. Du bist berechtigt, zum Mahl zu gehen, sobald du ein ehrlicher Jünger Jesu bist, der nichts von seinen Sünden vor ihm verbergen, sondern ihm alles offen bekennen will, was sein Gewissen plagt.
Endlich rate ich dir, Gemeinschaft mit Menschen zu suchen, von denen du weißt, dass sie mit Christus leben. Alle Religion ist gemeinschaftsbildend, das Christentum besonders. Suche Gottes Gemeinde auf und lebe mit in ihrem Leben und in ihrer Arbeit.
Suche einen oder ein paar Christen auf, denen du dich im Vertrauen erschliessen, und denen du alles mitteilen kannst. Bitte Gott darum, dass er dich solche christliche Freunde finden lässt.
Nun muss ich die letzte und entscheidende Erfahrung nennen, die dir christliche Gewissheit in Fülle bringt. Eines Tages, unerwartet und plötzlich, geschieht das Wunder an dir wie an Millionen vor dir. Meistens ist es ein kleines Wort der Bibel, das der Seele plötzlich „lebendig“ wird. Wie durch ein kleines Fenster siehst du durch dieses Wort hinein in die unsichtbare Welt, und alles liegt klar vor deinem inneren Auge. Den Erlöser, das Kreuz, Gottes ewige Liebe siehst du nun in ganz neuem Licht. Alle deine Zweifel und Schwierigkeiten sind wie weggefegt. Du erkennst nun, was du in deinem Erlöser besitzt. Alle deine Sünden und dein böses Herz verschwinden im endlosen Meer der Gnade. Sie bedeuten nicht mehr als ein Funke, der in den Ozean fällt. Nun bist du überzeugt, dass deine Sünden vergeben sind, dass du von Gott geliebt wirst und sein Kind bist.
Das Wunder besteht darin, dass Gottes Geist dir auf eine neue Weise die unsichtbare, ewige Welt öffnet, denn es ist das Werk des Geistes innerhalb der Erlösungsoffenbarung, die Verbindung zu schaffen zwischen der ewigen und der zeitlichen Welt, zwischen der unsichtbaren und sichtbaren Wirklichkeit.
Du hast dieses Wort als das schöpferische Wort Gottes erlebt, das dich zunächst von einem leichtsinnigen zu einem verzweifelten Sünder umformte, der in der Sünde keinen Frieden fand, sondern sich an den lebendigen Gott wenden musste, um Frieden zu finden. Und danach erlebtest du, dass dieses Wort dich aus einem verzweifelten Sünder zu einem überzeugten, befreiten und seligen Sünder umwandelte.
Das hat dir Vertrauen zum biblischen Wort gegeben, so dass du es wagst, in Freiheit und Freude damit zu leben und zu sterben.
Wohl kannst du noch immer auf Gedanken in der Bibel stossen, die dich unruhig machen.
Aber diese Gedankenschwierigkeiten sind nicht mehr so peinigend wie früher. Auch hier helfen dir deine neuen Erfahrungen. Habe ich erlebt, dass das grosse Ärgernis für meinen Verstand, das Kreuz Christi, mir zu einer seligen Überzeugung geworden ist, warum sollen mich da die kleineren intellektuellen Schwierigkeiten bedrücken? Auch hier habe ich dir ein paar Ratschläge zu geben.
Zuerst: sei ehrlich gegen dich selbst. Versuche nicht, dir zu verbergen, dass du noch in Unsicherheit und Zweifel über diese und jene Punkte bist. Gib dir das ehrlich selbst zu. Und vor allem: sprich mit Gott darüber in deinem Gebet.
Zweitens: sei geduldig! Lass dir Zeit!
Lass Gott in Ruhe die Erfahrungen vorbereiten und dir schenken, die alle Zweifel entfernen. Gestehe dir offen, dass du noch keine persönliche Gewissheit über gewisse Sätze des christlichen Glaubens hast. Aber sage auch, dass du dich demütig danach sehnst und darum bittest, den apostolischen Glauben der Gemeinde Christi in alle Punkten zu teilen, und dass du dich auf den Tag freust, an dem du alle Glaubenssätze zusammen mit Gottes lebendiger Gemeinde freimütig bekennen kannst.

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