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Das Beben von Basel

Die Katastrophe von 1356 kann sich schon morgen wiederholen

Auszüge aus einem Artikel in der Zeitschrift «factum» 7/2006, Hinterburgstr. 8, 9442 Berneck

In unserer Zeit, die mit immer drastischeren Naturkatastrophen und einer ganz neuen Dimension des Terrorismus und des Antisemitismus viele Menschen verunsichert, erhält das historische Basler Geschehen denkwürdige Aktualität. Zumal Naturwissenschaftler vor einem erneuten schweren Beben am Oberrhein warnen. In Basel übernehmen Christen Verantwortung und werden aktiv. Was in der Stadt am Rhein geschieht, könnte ein Lehrwerk sein für weitere Reaktionen von Christen auf die besonderen Herausforderungen unserer Zeit...

Sozialwissenschaftler konstatieren weltweit eine tiefe Verunsicherung, oft auch Angst vor der Zukunft. Viele Christen fühlen sich an das Wort in der Bibel (Lukas 21,26) erinnert, wo von einer Zeit die Rede ist, in der die Menschen „verschmachten werden vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen werden“. Sie sehen die globale Entwicklung im Zusammenhang mit dem prophetischen Wort der Bibel….
In Basel ist, ganz in diesem Sinne, einiges in Bewegung geraten. Christen stellen sich der Geschichte ihrer Stadt, erkennen Gefährdungen und verstehen diese als Herausforderung zum Handeln, Sie haben vieles auf den Weg gebracht...

Träume vom kommenden Unheil

Bruno Waldvogel wird diese Zeit nie vergessen: Vor ungefähr zehn Jahren, er stand damals kurz vor der Übernahme eines Pfarrdienstes, plagten ihn immer wieder Träume von einem verheerenden Erdbeben, das Basel zerstört. Es ist eine düstere Ahnung von einem kommenden Unheil. Zu jener Zeit wusste der neu nach Basel gezogene Theologe noch nicht, dass die Stadt erdbebengefährdet ist. Erst jetzt befasste er sich mit Basels Vergangenheit...

Am 18. Oktober 1356 zerstört das stärkste historisch bekannte Erdbeben in Nordeuropa mit zahlreichen Erdstössen bis zu einer Stärke von 6,9 auf der Richterskala die Stadt Basel. Als gegen Abend Feuer ausbricht, strömen die Überlebenden der ersten Erdstösse zurück, um ihr Hab und Gut zu retten. Da erst kommt das Hauptbeben...
Die historischen Quellen schwanken zwischen „einigen wenigen und einigen Tausend“ Todesopfern. Ganze Dörfer werden zerstört, in Strassburg und Bern gibt es schwere Schäden, im 300 Kilometer entfernten Burgund brechen  Stadtmauern...

Für die Experten vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED) und die Verantwortlichen für den Katastrophenschutz ist ebenso wie für ihre deutschen Kollegen klar, dass sich über kurz oder lang am Oberrhein wieder ein so schweres Beben wie 1356 ereignen wird. Der Stabschef des Basler kantonalen Katastrophenschutzes, der stellvertretende Polizeikommandant Basels, Rolf Meyer, sagt es in aller Klarheit: „Ich rechne damit, dass sich wieder ein so schweres Beben ereignet wie 1356.“ Die grosse Frage ist nur: Wann?...
Die Experten sind sich einig, dass die Gefahr eines Bebens von der Bevölkerung unterschätzt wird. „Wir sind uns der Gefahr sehr bewusst“, so der Leiter des Landeserdbebendienstes Baden-Württemberg, der Geophysiker Wolfgang Brüstle. In der Schweiz ist neben der Region um Basel besonders das Wallis gefährdet...
Die Erfahrung von Kobe lehrt, dass gegen Katastrophen dieses Ausmasses Vorsorge möglich ist, die Menschenleben rettet, dass die Katastrophe aber nicht im eigentlichen Sinn zu beherrschen ist...

Als Christ in der Verantwortung

Für den Basler Pfarrer Bruno Waldvogel haben die Ereignisse des 14. Jahrhunderts eine gegenwärtige Bedeutung. Ausgelöst durch die Träume hat sich ihm mit dem Thema „Pogrom und Erdbeben in Basel“ eine Aufgabe in den Weg gestellt. Als Christ stellt sich für ihn die Frage der Vorsorge anders als für einen Experten vom Katastrophenschutz. Sind Naturkatastrophen, die inzwischen immer höhere Opferzahlen und höhere materielle Schäden verursachen, nicht auch eine Aufforderung an den Menschen, innezuhalten und sich den zentralen Fragen des Lebens zu widmen? Haben die Katastrophen und die Ängste unserer Zeit nicht auch etwas mit den biblischen Prophetien zu tun? In den Endzeitreden Jesu ist von Naturkatastrophen, Kriegsschrecken und Erdbeben ebenso die Rede wie in der Offenbarung des Johannes und bei den Propheten der hebräischen Bibel, des Alten Testaments. Pfarrer Waldvogel möchte Menschen für die Gefahr eines Erdbebens, für das Thema Vorsorge sensibilisieren. Vor allem aber möchte er die Menschen motivieren, sich den grundlegenden Fragen des Lebens zuzuwenden...

Der vernachlässigte Trost

„Die Bibel ist von Anfang an ein prophetisches Buch“, erläutert Bruno Waldvogel. Im Alten Testament, wie in den Reden Jesu und in der Offenbarung des Johannes im Neuen, wird die Geschichte der Menschheit aus heilsgeschichtlicher Perspektive geschildert – bis hin zu Jesu Wiederkunft und der schweren Zeit, die dem vorausgeht. Pfarrer Waldvogel bedauert, dass diese Dimension der Heiligen Schrift „aus einem falsch verstandenen Rationalismus heraus“ mit der so genannten historisch-kritischen Theologie gekappt wurde. Heute gelte es, dieses Element der Heiligen Schrift neu zu erkennen. „Ich meine, dass wir heute in einer Phase sind, in der viele Christen, und auch die Kirche, die biblische Prophetie wieder entdecken.“ Waldvogel ist sich bewusst, dass dies mit Sorgfalt geschehen muss. Aber es gilt, was die Offenbarung des Johannes (Off. 1,3) lehrt: „Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist“...

In diesem Sinn haben für Bruno Waldvogel die schweren Naturkatastrophen eine geistliche Bedeutung. Die Ankündigungen von Gerichten, von Drangsal und „Geburtswehen“ weisen über die Not hinaus und haben die Einordnung des Geschehens und die Rettung, die Wiederherstellung, im Blick. Jetzt, so der Basler Pfarrer, sei es an der Zeit, sich wieder neu mit den Endzeitreden Jesu zu befassen, in denen – „und zwar in einer sehr massiven Form“ – von Kriegen, Seuchen und Erdbeben die Rede ist. Auch das prophetische Wort bei Jesus habe immer wieder dazu geführt, dass die Menschen in die Beziehung zu Gott zurückgeführt wurden...
Es ist ein Merkmal der biblischen „Zeichen der Zeit“, dass es sich um globale Phänomene handelt. Das gilt sowohl für Katastrophen, wie für die Verbreitung von Gottes Wort in der Mission, wie für das Geschehen um das Volk Israel, das aus allen vier Himmelsrichtungen und von den Enden der Erde gesammelt wird. Manche der Naturkatastrophen sind schon für sich genommen globale Ereignisse. So etwa das Seebeben von Weihnachten 2004 und der nachfolgende Tsunami...

Die Bibel spricht nicht nur von globalen Katastrophen, sie spricht an dieser und auch an andere Stelle, etwa in Lukas 21, Vers 26, von globaler Emotion: „Die Menschen werden vergehen vor banger Erwartung der Dinge, die über den ganzen Erdkreis kommen werden“. Der 11. September 2001 kann als der Tag in der Geschichte der Menschheit beschrieben werden, an dem zum ersten Mal die gesamte Menschheit schlagartig durch ein Ereignis emotional erfasst und erschüttert wurde...

Gerade in der Globalisierung, die wir ökonomisch, politisch, spirituell, ja selbst in der Erschütterung des Globus selbst erleben wie am 26. Dezember 2004, entsteht ein Bewusstsein dafür, dass der Mensch nicht das Mass der Dinge, dass er endlich und sterblich ist. Darauf weist Pfarrer Waldvogel hin: Was kann uns die Erfahrung einer solchen Ohnmacht lehren? Worauf zielt sie? Auf die Hinwendung zu dem allmächtigen Gott, dem Schöpfergott, von dem Psalm 121 spricht: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat“: Oder mit einem Wort aus Palm 41, in dem zum Ausdruck kommt, wie sehr wir des gnädigen Gottes bedürfen, der uns verwandeln kann: „Ich sprach: HERR, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen dich gesündigt.“……
Es geht um die Chance zu lernen, wie der Basler Pfarrer es so treffend formuliert, „in der Erschütterung geborgen zu sein“.

Vorsorge

Ein paar mögliche Schritte

Auszüge aus dem Nachwort der Verleger des Buches „Die Todgeweihte“.

Man tut gut daran, auf die Experten zu hören, die sich zum Ziel gesetzt haben, aufgrund ihrer Erfahrungen in Kobe, Bam und Los Angeles unsere Häuser, Dörfer und Städte erdbebensicher zu bauen...
Die Idee von Katastrophenschützern, Geologen, Seismologen und anderen Wissenschaftlern, von Zeit zu Zeit eine Katastrophenübung durchzuführen und jeder und jedem Einzelnen zu zeigen, welche Verhaltensmöglichkeiten sich anbieten, sollte nicht als „Angstmacherei“ abgetan werden, die „so gar nicht in die Werbestrategie unseres Tourismus-Büro passt“, sondern dankbar und gewissenhaft umgesetzt werden. Viele Menschen in Europa kennen weder die Zugänge zu den zur Verfügung stehenden Schutzräumen noch die Wege zur richtigen Entscheidungsfindung innerhalb der wenigen Sekunden, die im Katastrophenfall zur Verfügung stehen…..
Die Schutzräume, die innerhalb von Sekunden Zufluchtsorte sein können und müssten, sind in aller Regel voll gestopft mit all den tausend Dingen, die im Haushalt keinen Platz mehr finden. Oder sie sind zu Weinkellern umfunktioniert worden, mit Regalen verbaut, mit Klimbim zu gemüllt…..
Wer den Aufwand nicht scheut, darüber hinaus noch die Fluchtwege der Schutzräumen zu inspizieren, macht die Erfahrung, dass die Ausgänge oft von Hecken und Baumwurzeln verwachsen und zugesperrt sind. Sie sind schlicht unbegehbar – und das, bevor überhaupt je ein Beben stattgefunden hätte….
Der Tipp, über unseren Betten montierte TV-Geräte, Bilderrahmen und Hängeschränke zu entfernen, ist sicherlich beachtenswert. Wer weitere Informationen sucht, wie man sich schützen kann und wie man sich im Katastrophenfall verhalten soll, der ist mit folgenden Adressen gut bedient:

http://www.seismo.ethz.ch/eq_swiss/prep/verhalten/index
http://www.fr.ch/ecab/sismo/comportement_d.html
http://www.noezsv.at/wastun/erdbeben/schutz.htm

Eine der am häufigsten auftretenden Verletzungsarten – auch bei leichteren Beben – sind Schnittwunden an den Füssen. Grund: Bei Wanddeformationen zersplittern die Fenster. Und da Erdbeben sich nicht selten nachts ereignen, schrecken die Menschen aus dem Schlaf und flüchten im Dunkeln barfuss. Dabei erleiden viele leichte bis schwere Schnittwunden. Es empfiehlt sich, wie in den USA oft praktiziert, ein paar gut besohlte Pantoffeln oder Schuhe unterm Bett bereitzuhalten….
Es ergibt mehr als Sinn, mit guten Gedanken (Gebeten) für die Stadt, in der wir leben, einzustehen und uns mit unseren guten Taten fürs Gemeinwohl einzusetzen. Der Ort, in dem wir wohnen und leben, verdient unsere ganze innere Aufmerksamkeit. Der biblische Hinweis: „Suchet der Stadt Bestes!“, kann uns dabei die Leitplanke sein. Der Dank für die Bewahrung der Stadt in der Vergangenheit mag genauso dazugehören wie die Bitte um Schutz in der Zukunft. Das Vertrauen zu Gott, dem Schöpfer und Weltenlenker, kann hier das Bewusstsein der eigenen Machtlosigkeit überwinden...
Es lohnt sich genauso, für uns selbst, für unsere Familien und unsere Liebsten, aber auch für jene, die in Politik und Schule, im Berufsleben und im Katastrophenschutz für uns Verantwortung übernehmen, zu beten...
Im eigenen Leben aufräumen, Ungutes ausräumen, Unvergebenes und Bitteres wegräumen – Katastrophenschutz im Innern also -, gehört zu den wesentlichen Aspekten jedes individuellen Handlungsansatzes.
Sollte man angesichts von vermuteten Gefahren den Ort, an dem man lebt, verlassen? Erstens: Nein. Denn welcher Ort wäre sicherer? Ein Erdbeben grösseren Ausmasses würde riesige Teile verschiedener Länder betreffen können...
Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass die vor Erdbeben auftretenden seismischen Wellen, die von Menschen nicht wahrgenommen werden, stark genug sind, dass Tiere darauf reagieren. Tiere sind empfindlich für elektromagnetische Impulse, für austretende Gase und Knistern im Gestein, auf Erderschütterungen und elektrostatische Aufladungen der Luft, insbesondere aber auch auf Erwärmung der Erdoberfläche.

Literatur

Artikel „Das Beben von Basel“ Sonderdruck, 12 Seiten Fr. 3.—
(auch im Internet: www.factum-magazin.ch)

«Die Todgeweihte. Basileia und die letzten Tage des Mittelalters»

Im Memopress-Verlag, Postfach, CH-8215 Hallau

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