Weltwoche, 26.3.1971
An jede Generation - so meint Alfred Stückelberger in seinem im Gotthelf-Verlag erschienenen Taschenbuch „Autorität, gestern, heute, morgen“ - sei die Frage gestellt, welcher Autorität sie sich unterstellen wolle. Auch normative Ideen könnten zur Autorität werden, und zwar mit positiver wie auch verderblicher Wirkung. Man denke an Vorstellungen wie „Liberté, Egalité, Fraternité“ oder „Deutschland, Deutschland über alles“. Ist also, so frage ich mich, nicht auch die Vorstellung von einer „autoritätslosen Gesellschaft“ eine normative Idee mit Autoritätsanspruch und insofern eine Illusion? Und ist eine Gesellschaftsordnung, die auf einer reinen Fiktion aufbaut, nicht schon von vornherein zum Scheitern verurteilt?